15.10.11
HV 03 - Wenn Eltern hilflos erscheinen...
| Referent/in: | Dipl.Psych. Karl Heinz Pleyer (D) |
| Dauer: | 09.15 bis 10.00 |
Inhalt
Nach verbreiteter Auffassung sind kindliche Verhaltensstörungen ursächlich auf einen Mangel an Fürsorge oder Liebe etc. zurückzuführen. Folglich werden Eltern Verantwortungslosigkeit im moralischen Sinne, Persönlichkeitsdefizite oder Charakterschwächen zugeschrieben. Wo Kinder als Opfer und Eltern als Täter bzw. Schadensverursacher wahrgenommen werden, ist dies oft der Ausgangspunkt für das Scheitern von Hilfeprozessen.
Im Rahmen klinischer Beobachtungen zeigten Eltern im Umgang mit ihrem Problemkind signifikante Auffälligkeiten im Erleben und Verhalten, für die der Begriff „parentale Hilflosigkeit“ vorgeschlagen worden ist. Es handelt sich um Muster der Beziehungsregulierung mit dem Problemkind, die als erzieherische Inkompetenz wahrgenommen werden, jedoch nicht gleichzusetzen sind mit einer generellen Erziehungs- bzw. Beziehungsunfähigkeit. Parentaler Hilflosigkeit begegnen wir auf den Ebenen a)der Kognitionen: als Verlust der parentalen Wirksamkeitsüberzeugungen, b) der Affekte: emotionale Erschöpfung und resignative Kapitulation und c) im konkret beobachtbaren Lösungs- und Erziehungsverhalten: untaugliche Erziehungspraktiken, die sich permanent wiederholen ohne die gewünschte Wirkung zu erzielen. Es ließen sich vier Symptombereiche unterscheiden:
1. eine selektive bzw. verzerrte Art von Eltern, ihr „Problemkind“ wahrzunehmen,
2. Konfliktvermeidung bzw. Vermeidung von Präsenz im Umgang mit dem Symptomverhalten,
3. eine Tendenz, die Erziehungsverantwortung an andere zu delegieren und
4. sich zu isolieren und Kooperation mit anderen Erziehungspartnern zu vermeiden.
Familienanamnesen offenbaren eine weit überproportionale Häufung schwerwiegender akuter und/ oder früherer Belastungen, wie eigene Vernachlässigungs- Misshandlungs- und Trennungserfahrungen der Eltern, Risikoschwangerschaften oder -geburten, drohender oder tatsächlicher Verlust eines Kindes etc. Werden solche Stresserfahrungen traumatisch verarbeitet, wirken sie sich belastend auf die Beziehungsgestaltung zum Problemkind aus. Kindliche Symptombildung und „parentale Hilflosigkeit“ sind vielfach als wechselseitig aufeinander bezogene Bewältigungsversuche zu erklären, die sich zu stabilen Beziehungsmustern verfestigt haben. So kommt es zu chronifizierten Teufelskreisen, die pädagogisch und therapeutisch nur schwer zu durchbrechen sind. Das Konzept der „parentalen Traumatisierung“ gibt den Blick frei auf sog. „co- traumatische Prozesse“, die ein traumabezogenes Arbeiten gemeinsam mit Eltern und Kindern möglich macht.
In der Arbeitsgruppe werden methodische Hinweise auf ein traumabezogenes Eltern- Coaching als notwendige Ergänzung kindertherapeutischer Bemühungen vermittelt.
Im Rahmen klinischer Beobachtungen zeigten Eltern im Umgang mit ihrem Problemkind signifikante Auffälligkeiten im Erleben und Verhalten, für die der Begriff „parentale Hilflosigkeit“ vorgeschlagen worden ist. Es handelt sich um Muster der Beziehungsregulierung mit dem Problemkind, die als erzieherische Inkompetenz wahrgenommen werden, jedoch nicht gleichzusetzen sind mit einer generellen Erziehungs- bzw. Beziehungsunfähigkeit. Parentaler Hilflosigkeit begegnen wir auf den Ebenen a)der Kognitionen: als Verlust der parentalen Wirksamkeitsüberzeugungen, b) der Affekte: emotionale Erschöpfung und resignative Kapitulation und c) im konkret beobachtbaren Lösungs- und Erziehungsverhalten: untaugliche Erziehungspraktiken, die sich permanent wiederholen ohne die gewünschte Wirkung zu erzielen. Es ließen sich vier Symptombereiche unterscheiden:
1. eine selektive bzw. verzerrte Art von Eltern, ihr „Problemkind“ wahrzunehmen,
2. Konfliktvermeidung bzw. Vermeidung von Präsenz im Umgang mit dem Symptomverhalten,
3. eine Tendenz, die Erziehungsverantwortung an andere zu delegieren und
4. sich zu isolieren und Kooperation mit anderen Erziehungspartnern zu vermeiden.
Familienanamnesen offenbaren eine weit überproportionale Häufung schwerwiegender akuter und/ oder früherer Belastungen, wie eigene Vernachlässigungs- Misshandlungs- und Trennungserfahrungen der Eltern, Risikoschwangerschaften oder -geburten, drohender oder tatsächlicher Verlust eines Kindes etc. Werden solche Stresserfahrungen traumatisch verarbeitet, wirken sie sich belastend auf die Beziehungsgestaltung zum Problemkind aus. Kindliche Symptombildung und „parentale Hilflosigkeit“ sind vielfach als wechselseitig aufeinander bezogene Bewältigungsversuche zu erklären, die sich zu stabilen Beziehungsmustern verfestigt haben. So kommt es zu chronifizierten Teufelskreisen, die pädagogisch und therapeutisch nur schwer zu durchbrechen sind. Das Konzept der „parentalen Traumatisierung“ gibt den Blick frei auf sog. „co- traumatische Prozesse“, die ein traumabezogenes Arbeiten gemeinsam mit Eltern und Kindern möglich macht.
In der Arbeitsgruppe werden methodische Hinweise auf ein traumabezogenes Eltern- Coaching als notwendige Ergänzung kindertherapeutischer Bemühungen vermittelt.


