30.09.16 bis 01.10.16
Einführung in die narrative Expositionstherapie
Dauer: Freitag: 15:00-20:30
Samstag: 09:00-17:00
Ort: LFI Oberösterreich
Auf der Gugl 3
4021 Linz
Kosten: Euro 320,00 (für Mitglieder Euro 270,00) inkl. Pausenverpflegung und Mittagessen
Einheiten: 15 Unterrichtseinheiten zu je 45 Minuten
Seminarleitung
Dr. Thomas Elbert (D)
Dr. Thomas Elbert, Ordinarius für Klinische und Verhaltensneurowissenschaften an der Universität Konstanz und Honorarprofessor an den Universitäten Lumiere, Burundi und MUST Uganda, untersucht wie Stressoren Genom, Gehirn, Geist und Verhalten reorganisieren. Thomas Elbert entwickelte gemeinsam mit Maggie Schauer und Frank Neuner die Narrative Expositionstherapie (NET), eine der derzeit effektivsten Interventionen zur Reduktion traumatischer Stress-Symptome bei Überlebenden multipler und komplexer Traumatisierung nach organisierter Gewalt, Folter, Krieg, Vergewaltigung und Kindesmissbrauch. Beide Referenten haben in Kriegs- und Krisenregionen und in westlichen Ländern mit Überlebenden von Mehrfachtraumatisierung und Persönlichkeitsstörungen gearbeitet.

Dr.in Maggie Schauer (D)
Dr. Maggie Schauer leitet das Kompetenzzentrum Psychotraumatologie der Klinischen Psychologie an der Universität Konstanz. Sie arbeitet in Forschungsprojekten zu multipler und komplexer Traumatisierung sowie zu transgenerationalen Folgen von Gewalt und Vernachlässigung. Maggie Schauer entwickelte gemeinsam mit Thomas Elbert und Frank Neuner die Narrative Expositionstherapie (NET), eine der derzeit effektivsten Interventionen zur Reduktion traumatischer Stress-Symptome bei Überlebenden multipler und komplexer Traumatisierung nach organisierter Gewalt, Folter, Krieg, Vergewaltigung und Kindesmissbrauch. Beide Referenten haben in Kriegs- und Krisenregionen und in westlichen Ländern mit Überlebenden von Mehrfachtraumatisierung und Persönlichkeitsstörungen gearbeitet.

Inhalt
Dieses Seminar ist Teil der Seminarreihe: Behandlung der Persönlichkeitsstörungen. Es kann die gesamte Seminarreihe oder auch das Seminar einzeln gebucht werden.

Überlebende von mehrfacher Lebensbedrohung, Missbrauch, Misshandlung und von lang andauerndem Horror, der komplexe Traumasymptomatik zur Folge hat, bedürfen besonderer psychotherapeutischer Hilfe. Die Bearbeitung nur einzelner traumatischer Szenen und Stabilisierungstechniken allein werden der leidenden Person, deren personale Identität gebrochen und deren Würde verloren ist, nicht gerecht.

Durch die spezifische Gedächtnisproblematik komplex Traumatisierter und die häufige Dissoziation, kommt es zum Fehlen der Verortung und Vergeschichtlichung der traumatischen Szene. Um eine raum-zeitliche Rückbindung der traumatischen Erlebnisse zu erreichen, positioniert sich der/die Patient/in zusammen mit dem Therapeuten bzw. der Therapeutin bei der Narrativen Expositionstherapie ausserhalb des Traumas (Ex-Position), in der Gegenwart, und erlebt, in chronologischer Reihenfolge erzählend, seine Lebensgeschichte wieder. Der Fokus liegt auf den negativen und traumatischen Ereignissen, wobei auch positive Erlebnisse als Ressource (wieder-)entdeckt werden. Durch das intensive Wiedererfahren aktualisiert sich die Vergangenheit auf allen Ebenen in der Gegenwart (Gedanken, Gefühle, Bedeutungen, Empfindungen, Körperhaltung usw.), möglichst alle Elemente des „Furchtnetzwerkes“ werden im Schutz des „Sprechens über“, in der Distanz zum „Damals“ so lange aktiviert, bis das Erlebte sich autobiographisch einordnen, benennen, begreifen, verorten lässt und Erleichterung eintritt durch Habituation und Integration. Nach und nach erstellt der/die Patient/in in den Behandlungssitzungen im dialogischen Kontakt mit dem Gegenüber, durch empathische Verbalisierung unterstützt, eine detaillierte und konsistente, schriftliche Narration seiner Lebensereignisse.

Es kommt auf diesem Wege zudem zu einer Gesamtschau des eigenen Lebens, zu einem organischen Erkennen von Lebens-Mustern und Zusammenhängen, zu einer Würdigung der Person und der Biographie des Überlebenden. Aufbauend auf den Ergebnissen der NET bei Erwachsenen wurde auch eine kindgerechte Form der Narrativen Expositionstherapie (KIDNET) entwickelt sowie eine Erweiterung der NET für Menschen, die nicht nur Opfer von Traumata sind, sondern auch selbst Gewalt ausgeübt haben (FORNET).

Die Veranstaltung beginnt mit einem Vortrag zu gegenwärtigen wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Auswirkungen multipler Traumatisierung auf Gedächtnis und Verhalten, zu den theoretischen Grundlagen der NET sowie zur empirischen Evidenz der NET. Danach wird das Verfahren Schritt für Schritt detailliert anhand von Vortrag, Übungen und Demonstrationen vorgestellt und eingeübt.

Die Fortbildung enthält Selbsterfahrungsanteile.