12.10.18 bis 13.10.18
Bindung und Bindungsbeeinträchtigungen
Interaktionszentrierte Beratung und Betreuung auf der Grundlage entwicklungspsychologischer und transgenerationaler Verständnismodelle
Dauer: Freitag: 15:00-20:30
Samstag: 09:00-17:00
Ort: Schloss Krastowitz
Gotscheerstraße
9020 Klagenfurt
Kosten: wird noch bekannt gegeben
Einheiten: 15 Unterrichtseinheiten zu je 45 Minuten
Seminarleitung
Dipl.-Psych. Thomas Kämpfer
Diplompsychologe
Psychologiestudium an der Universität Hamburg, klinisch-psychologische Tätigkeiten in psychosomatischen Kinderkliniken, Betreuung kriegstraumatisierter Kinder aus dem Kosovo, fachliche Leitung des Kinderschutzzentrums Graz, psychologische Leitung der kinder- und jugendpsychiatrischen Institutsambulanz im LKH Lüneburg, dort Aufbau einer Schreiambulanz. Aktuell Leitung eines psychosozialen Beratungszentrums in der Steiermark. Weiterbildungen u.a. im Bereich Säuglings-Kleinkind-Elternberatung/Psychotherapie bei Dr. Papousek/München, Klinischer Hypnotherapie (MEI Hamburg), Coaching und psychodynamische Organisationsentwicklung (IPOM München), fortgeschrittene Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten mit Approbation (IFP Hamburg). Vortrags- und Fortbildungstätigkeit u.a. als Lehrbeauftragter für die Facharztausbildung Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie und Pädiatrie in Niedersachsen, Universität Lüneburg, Land Steiermark, Jugend am Werk Steiermark, Caritas Diözese Graz-Seckau u.v.m.

Inhalt

Die Qualität der frühen Bindungserfahrungen ist entscheidend für die weitere emotionale Anpassungsfähigkeit eines Kindes. Eine weitestgehend sichere Bindungsorganisation unterstützt die Entwicklung einer altersentsprechenden Impuls- und Affektkontrolle. Die Kinder sind eher in der Lage, sich emotional zu regulieren und ihre Entwicklungsanforderungen zu bewältigen.
Kinder mit Bindungsunsicherheiten sind deutlich häufiger und schneller emotional überfordert. Sie können ihre Impulse zum Teil nur bedingt steuern und neigen eher zu Gefühlsausbrüchen und Kon-trollkämpfen oder sie ziehen sich zunehmend zurück und sind kaum noch erreichbar. Gravierendere schulische Probleme und psychische Beeinträchtigungen sind zu erwarten, insbesondere bei Kindern mit schwereren Bindungsbeeinträchtigungen.

Diese frühen Bindungsunsicherheiten können verschiedene Ursachen haben und werden im ungüns-tigsten Fall innerhalb der Familie von Generation zu Generation weitergegeben. Oft erleben wir dabei familiäre Interaktionen, die von einem Mangel an emotionaler Verfügbarkeit der Eltern, Unvorherseh-barkeit des elterlichen Verhaltens, Verstrickungen und Rollenumkehr (i.S. einer Parentifizierung des Kindes) oder Missachtungen, Entwertungen und körperlicher Gewalt gegenüber dem Kind charakteri-siert sind.

Ziel des Seminars ist es - auf der Grundlage der Ergebnisse der aktuellen Bindungsforschung und des Modells der transgenerationalen Weitergabe dsyfunktionaler Beziehungserfahrungen - Verständnismodelle und multimodale Behandlungsansätze für die Beratung und Betreuung chronisch belasteter Familien vorzustellen, umso zumindest ein Mindestmaß an Vorhersehbarkeit, emotionaler Zuwendung und verlässlicher Struktur mit klaren Grenzen und Rollenverteilungen zu ermöglichen.

Zu den Inhalten:
• Ergebnisse der aktuellen Bindungsforschung, Begriff der intuitiven elterlichen Kompeten-zen/Feinfühligkeit, Mentalisierungskonzept, transgenerationale Perspektive
• Abgrenzung sichere, unsichere Bindungsorganisation und Bindungstraumatisierungen
• Reenactments - Beziehungsgestaltungen im Schulalter und in der Adoleszenz bei maladaptiven Bindungserfahrungen
• Interaktionszentrierte Zugänge und Interventionen bei der Behandlung von Kindern, Jugendlichen und ihren Bezugspersonen mit Bindungsunsicherheiten und -störungen
• Elternarbeit zur Veränderung problematischer und sich wiederholender familiärer Beziehungsmuster
• Begleitende Reflexion eigener Bindungserfahrungen der SeminarteilnehmerInnen