17.09.10 bis 18.09.10
Traumabezogene Spieltherapie
Dauer: Freitag: 15.00-20.00 Uhr
Samstag: 9.00-17.00 Uhr
Ort: Seminarhotel Springer-Schlößl
1120 Wien, Tivoligasse 73
Kosten: Euro 290,00 (für Mitglieder 245,00)
Einheiten: 15 Unterrichtseinheiten zu je 45 Minuten
Seminarleitung
Dipl.Psych. Heidi Zorzi (D)
Ich bin Diplom-Psychologin, lebe mit meiner Familie (Mann und vier Kindern) in Regensburg und bin hier seit 1993 psychotherapeutisch tätig und seit 2001 als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin (tiefenpsychologisch fundiert) zugelassen. Schon während meiner Tätigkeit als forensische Sachverständige (1989-1999) hatte ich im Rahmen der Glaubhaftigkeitsbegutachtung kindlicher Zeugen mit traumatisierten Kindern zu tun. Meine Betroffenheit und die Erfahrung, dass bei einem Großteil der Aussagen traumatisierter Kinder die herkömmlichen Glaubhaftigkeitskriterien nicht ausreichen, um deren Wahrheitsgehalt zu bestätigen, veranlassten mich schon früh, mich in diesem Bereich verstärkt fortzubilden. Die traumabezogene Arbeit mit Kindern von Frau Weinberg habe ich vor ca. 10 Jahren kennen und schätzen gelernt. Ich wende sie seit Jahren in meiner kindertherapeutischen Praxis an und es macht mir großen Spaß, mein diesbezügliches Wissen und meine praktischen Erfahrungen an interessierte Kolleginnen und Kollegen weiterzugeben. Traumapsychologische Qualifikation: Seit 2001 fortlaufende Ausbildungen bei Thomas Hensel (EMDR mit Kindern), Elke Garbe (Trauma-Rekonstruktion nach sexuellem Missbrauch), Dorothea Weinberg, Lutz Besser (Screening) und Karl-Heinz Brisch (Bindung und Trauma).

Inhalt
Bei der „Traumabezogenen Spieltherapie“ handelt es sich um eine von der Nürnberger Diplom-Psychologin und Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin Dorothea Weinberg entwickelte psychotherapeutische Methode zur Behandlung komplexer Traumatisierungen (z.B. langzeitige Misshandlungen, emotionaler bzw. sexueller Missbrauch u.ä.) bei Kindern.
Die Behandlung kann im ambulanten Therapiesetting angewandt werden, wenn das Kind in einem mittlerweile geschützten und sicheren Umfeld lebt und Menschen um sich hat, die sich für es verantwortlich fühlen und es stabilisieren können.
Die „Traumabezogene Spieltherapie“ kann als eine Weiterentwicklung der personzentrierten Spieltherapie (Rogers, Axline u.a.) verstanden werden.

Während die Grundvariablen der personzentrierten Psychotherapie (empathisches Verstehen, Verbalisieren inneren Erlebens, bedingungslose Wertschätzung, Echtheit und Kongruenz) auch in diesem Setting die Basis der Arbeit darstellen, stellt sich im Spiel mit traumatisierten Kindern die Notwendigkeit zusätzlicher, gezielter, impliziter und expliziter Interventionen.
In der Arbeit mit traumatisierten Kindern kann es während vieler Therapiestunden zu endlosen, immer gleichen Wiederholungen von Spielhandlungen ohne eigentliche inhaltliche Entwicklung sowie zu abrupten Spielabbrüchen bei Überflutung und/oder Dissoziation kommen. Die meisten komplex traumatisierten Kinder zeigen zu Beginn automatisierte und wenig differenzierte Verhaltensmuster, ihre Angst und Verzweif-lung nimmt bei zunehmendem Spiel häufig eher zu als ab und es kann ungewollt zu Retraumatisierungen kommen. Mitunter vertiefen sich diese Kinder derart in eine Spielsequenz, dass sie während der Spielstunde dissoziieren oder zu dissoziieren drohen. Die klssische personzentrierte Spieltherapie greift hier oft nicht, weil sie dem traumatisierten Kind zum einen einen zu unklaren und wenig sicherheitsfördernden Rahmen bietet und traumaspezifische Spielsequenzen nicht gezielt unterbricht oder moduliert.

Wichtige Prinzipien der „Traumabezogenen Spieltherapie“ nach D.Weinberg sind:

- Klärung der Regeln im Spielzimmer
- expliziter Wechsel von der 2. auf die 1. Realitätsebene
- konkrete Klärung und Ausformung der Rollen und Spielorte
- der reale Aufbau von Sicherheit im Therapiezimmer („sicherer Ort“)
- der therapeutische Aufbau „guter innerer Instanzen“
- die konkrete Einführung von Helferfiguren
- der therapeutische Aufbau von Grenzen
- die Würdigung der totalen Hilflosigkeit
- die spieltherapeutische Inszenierung der (auch körperlichen) Heilung
- das explizite Deutlichmachen des Unrechtcharakters des Erlebten
- die implizite Arbeit mit Spaltungen
- die explizite Arbeit mit Spaltungen
- die explizite Trauma-Rekonstruktion und Überwindung traumatischer Bilder
- die Aufklärung und Unterstützung der Bezugspersonen bzgl. traumaspezifischer Verhaltensmuster und Befindlichkeiten des Kindes

Vor allem die zuletzt genannten Interventionen auf Kinderebene erfolgen in der Regel nach einer langen Phase des Beziehungsaufbaus und der Stabilisierung. Es wird sich also in der Regel um einen (im Gegensatz zur STI) längerfristigen Therapieverlauf handeln. Wichtige Schwerpunkte sind dabei auch die diagnostische Anfangsphase (wie wurde das Trauma bisher innerpsychisch verarbeitet?) sowie der Abschied („ein gutes Ende finden“).
Die Methode ist für Kinder vom etwa 3. bis 12. Lebensjahr geeignet, einzelne Inter-ventionen lassen sich aber auch gut mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie den Bezugspersonen selbst durchführen.

Literatur: Dorothea Weinberg: Traumatherapie mit Kindern. Pfeiffer bei Klett-Cotta, Stuttgart 2005